Die Königskinder


Melodie - Aus "Deutsche Volkslieder" 1807

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1. Es waren zwei Königskinder,
Die hatten einander so lieb,
Sie konnten zusammen nicht kommen,
|: Das Wasser war viel zu tief. :|

2. "Herzliebster, kannst du nicht schwimmen?
Herzlieb, schwimm herüber zu mir!
Zwei Kerzen will ich hier anzünden,
|: Und die sollen leuchten dir." :|

3. Das hört eine falsche Norne1),
Die tat, als ob sie schlief.
Sie tat die Lichter auslöschen,
|: Der Jüngling ertrank so tief :|

4. Es war an ei'm Sonntagmorgen
Die Leut' waren alle so froh
Bis auf die Königstochter,
|: Sie weinte die Äuglein rot. :|

5. "Ach Mutter, herzliebste Mutter,
Der Kopf tut mir so weh;
Ich möcht so gern spazieren
Wohl an die grüne See."

6. Die Mutter ging nach der Kirche,
Die Tochter hielt ihren Gang.
Sie ging so lang spazieren,
|: Bis sie den Fischer fand. :|

7. "Ach Fischer, liebster Fischer,
Willst du verdienen großen Lohn?
So wirf dein Netzt ins Wasser,
|: Und fisch mir den Königssohn!" :|

8. Er warf das Netz ins Wasser,
Es ging bis auf den Grund;
Er fischte und fischte so lange,
|: Bis er den Königssohn fand. :|

9. Der Fischer wohl fischte lange,
Bis er den Toten fand.
Nun sieh' da, du liebliche Jungfrau,
|: Hast hier deinen Königssohn. :|

10. Sie schloß ihn in ihre Arme
Und küßt' seinen bleichen Mund:
"Ach, Mündlein, könntest du sprechen,
|: So wär mein jung Herz gesund." :|

11. Sie schwang um sich ihren Mantel
Und sprang wohl in den See:
"Gut' Nacht, mein Vater und Mutter,
|: Ihr seht mich nimmermeh'!" :|

12. Da hörte man Glockengeläute,
Da hörte man Jammer und Not,
Da lagen zwei Königskinder,
|: Die waren beide tot. :|

Tr. Frank 1997

Once was a Prince and a Princess
That loved one another so dear,
Each other they could not posess,
Too deep was the water clear.

"Oh dear heart, can you not swim here,
My darling swim over to me,
I will light two candles, have no fear,
By their light the way you’ll see.

An evil fairy heard their planning,
Pretending to be sound asleep,
She blew out the candles, damning
The Prince to drown in the deep.

It was on a Sunday morning,
The people were happy and gay,
Except for the Princess, mourning,
With tears in red eyes, this day.

Oh mother, my dearest mother,
My head feels as were split in two;
I’d like to stroll somewhere other,
Perhaps by the water blue.

The mother alone went to church,
The daughter to the shore did run,
She walked so long til her search
For a fisherman was done.

Oh fisherman, dear fisherman,
Would you like to earn a great prize?
Your net in the water today can
Fish me a Prince where he lies.

He threw the net in the water,
To the bottom so deep it sank,
He fished long for the King’s daughter,
Then brought the Prince to the bank.

The fisher’d fished for a long time,
Before the dead Prince he’d found.
Now look here my dear maiden fine,
Here’s your Prince in my net bound.

Her two arms cradled the body,
And she kissed his cold lips so pale,
Oh lips could you but speak to me
Again my heart would be hale.

Her robe around herself she wound,
And then leaped into the deep sea.
Dear father, mother, I have found
My grave that you shall never see.

The bells they tolled throughout the land,
Of woe and want, were heard loud cries,
Two Kings’ children lay close at hand,
Both never again to rise.


Stirpes regales

1. Fuerunt regales stirpes
Amore iunctissimi,
Quos arcuit convenire
Profundi vis pelagi.

2. "Carissime, non vis nare?
Oh, velis tranare ad me!
Accendam tres candelarum,
Quae luce adducant te."

3. Tum monacha falsa sedet,
Dormire quae simulat;
Candelas exstinguit ista,
Ut iuvenis pereat.

9. Piscator captavit diu,
Dum repperit mortuum:
"En, virgo suavissima, vide
Hic filium regium!"

10. Amplexa est manibus illum
Dans pallido oscula;
Quod corculum frangitur ei,
Est protinus mortua.


1)Norne = Schicksalsgöttin, nordische Mythologie
Die durch Ovids "Heroiden" (Heldenbriefe) verbreitete altgriechische Sage von dem durch den Hellespont getrennte Liebespaar Hero und Leander ist in Deutschland erstmalig nach 1563 vollständig überliefert: "Zwischen zweyen Burgen" auf einem Nürnberger Flugblatt. (Siehe auch "Ach Elslein") Die obige Leseart steht folgenden Fassungen am nächsten: der in Friedrich Heinrich Bothes "Frühling Almanach", Berlin 1804, der durch Hoffmann von Fallersleben 1819 in Poppelsdorf bei Bonn aufgeschriebenen und einer in Riedel (Eifel) aufgezeichneten.

"Ach Mutter, liebe Mutter" aus der Mark Brandenburg, 1804 von Bothe handschriftlich an Büsching und von der Hagen gesandt, von diesen in ihren "Deutschen Volksliedern", Berlin 1807, veröffentlicht. Verwandt sind die Fassungen "Et wassen twee Künigeskinner": die eine in Paderbornschen von Werner von Haxthausen zwischen 1805 u. 1820 aufgeschrieben und von E. Baumstark und A. W. v Zuccalmaglio in den "Volksängen", Darmstadt 1835, veröffentlicht, die andere 1842 im Münsterland durch Annette von Droste-Hülshoff aufgezeichnet.
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