Thomas Blau

Melodie - Heimat (1915)

Alfons Petzold

1. Ich hab' es lange nicht gewußt,
was Heimat sei und Vaterland.
Sprach's einer mit durchglühter Brust,
winkt' ich nur spöttisch mit der Hand.
Von meiner Tage Not gewürgt,
sprach ich mit haßverzerrtem Mund:
„Nicht einmal hat für mich gebürgt
der Heimat hochgepriesner Grund.

2. Hab' keinen Acker, und mein Feld
ist einer Kammer Dielenholz.
Mir wuchs aus keiner eignen Welt
der Scholle harter Bauernstolz.
Wenn ich im Sonntagsfrieden ging
ins wälderfrohe Land hinein,
mein Herz ein böses Weh empfing
durch das Gefühl: Es ist nicht dein!
  3. Es ist nicht dein, was ringsum blüht,
es ist nicht dein, was ringsum wächst.
Bist aus dem nächtlichen Geblüt,
das nur für andre schafft und ächzt!"
Und fremd war mir, was mich umgab,
was blühend stand und rauschend floß,
weil es in Fremdheit wie ein Grab
mein heißes junges Sein umschloß.

4. Da kam des Krieges rote Flut -
ich hörte, wie die Erde schrie:
„Du bist mein Fleisch, du bist mein Blut!
Steh auf, steh auf und banne sie!"
Ein Rauschen sprang in meiner Brust
empor und wurde wilder Brand. -
Auf einmal wurd' es mir bewußt,
was Heimat heißt und Vaterland.


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