O daß ich tausend Zungen hätte

Melodie - Kornelius Dretzel - Johann Balthasar König, 1738

Johann Mentzer, 1704 (1658-1734)

1. O daß ich tausend Zungen hätte
Und einen tausendfachen Mund,
So stimmt' ich damit in die Wette
Vom allertiefsten Herzensgrund
Ein Loblied nach dem andern an
Von dem, was Gott an mir getan!

2a. O daß doch meine Stimme schallte,
Bis dahin wo die Sonne steht.
O daß mein Blut mit Freuden wallte,
Solang es noch im Laufe geht!
Ach wäre jeder Puls ein Dank,
Und jeder Odem ein Gesang.

2. Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte?
Auf, auf, braucht allen euern Fleiß
Und stehet munter im Geschäfte
Zu Gottes, meines Herren, Preis!
Mein Leib und Seele, schicke dich
Und lobe Gott herzinniglich!

3. Ihr grünen Blätter in den Wäldern,
Bewegt und regt euch doch mit mir!
Ihr schwanken Gräslein in den Feldern,
Ihr Blumen, laßt doch eure Zier
Zu Gottes Ruhm belebet sein
Und stimmet lieblich mit mir ein!

4. Ach alles, alles, was ein Leben
Und einen Odem in sich hat,
Soll sich mir zum Gehilfen geben;
Denn mein Vermögen ist zu matt,
Die großen Wunder zu erhöhn,
Die allenthalben um mich stehn.

5. Dir sei, o allerliebster Vater,
Unendlich Lob für Leib und Geist,
Für alles, mildester Berater,
Was Deine Güte mir erweist,
Was du in deiner ganzen Welt
Zu meinem Wohlsein hast bestellt.

6. Mein treuster Jesu, sei gepriesen,
Daß dein erbarmungsvolles Herz
Sich mir so hilfreich hat erwiesen,
Daß es durch Blut und Todesschmerz,
Vom Sündenelend mich befreit
Und dir zum Eigentum geweiht.
  7. Auch dir sei ewig Lob und Ehre,
O heilig werter Gottesgeist,
Für deines Trostes süße Lehre,
Die mich ein Kind des Lebens heißt.
Ach, wo ich etwas Guts vericht,
Das wirket nur dein göttlich Licht!

8. Wer überströmet mich mit Segen?
Bist du es nicht, o reicher Gott?
Wer schützet mich auf meinen Wegen?
Du bist es, Herr Gott Zebaoth.
Du trägst mit meiner Sündenschuld,
Unsäglich gnädige Geduld.

9. Demütig küss' ich deine Rute,
Die du mir aufgebunden hast.
Wie viel tut sie mir doch zugute
Und ist mir eine sanfte Last!
Sie macht mich fromm und zeugt dabei,
Daß ich von deinen Lieben sei.

10. Ich habe ja mein Lebetage
Es schon so mach liebes Mal gespürt,
Daß du mich unter vieler Plage
Getreulich hast hindurchgeführt.
Denn in der größesten Gefahr
Ward ich dein Trostlicht stets gewahr.

11. Wie sollt ich nun nicht voller Freuden
In deinem steten Lobe stehn?
Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden
Nicht triumphierend weitergehn?
Und fiele auch der Himmel ein,
So will ich doch nicht traurig sein.

11a. Drum reiß ich mich jetzt aus der Höhle
Der schnöden Eitelkeiten los
Und rufe mit erhöhter Seele:
Mein Gott, du bist sehr hoch und groß;
Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit
Gehört dir jetzt und allezeit.

12. Ich will von Deiner Güte singen,
Solange sich die Zunge regt;
Ich will dir Freudenopfer bringen,
Solange sich mein Herz bewegt;
Ja wenn der Mund wird kraftlos sein,
So stimm ich doch mit Seufzen ein.

13. Ach nimm das arme Lob auf Erden,
Mein Gott, in allen Gnaden hin!
Im Himmel soll es besser werden,
Wenn ich bei deinen Engeln bin;
Da sing ich im höhern Chor
Viel tausend Halleluja's vor.


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